Der Frühling ist für viele Hobbygärtner der Startschuss, um ihre Beete zu bepflanzen. Oft ganz oben auf der Liste: die Clematis. Diese Kletterpflanze verspricht eine üppige Blütenpracht an Zäunen, Pergolen und Hauswänden. Doch nach dem Einpflanzen folgt bei einigen die Enttäuschung: Die Triebe bleiben kümmerlich, die Pflanze wirkt schwach oder geht im ersten Sommer sogar ein. Fast immer liegt die Ursache in einem Fehler, der schon in den ersten Minuten nach dem Einpflanzen passiert.
Dabei ist die Clematis eigentlich keine anspruchsvolle Pflanze. Wer eine grundlegende Regel beachtet, die in vielen Ratgebern nur kurz erwähnt wird, schafft die Basis für eine Kletterpflanze, die jedes Jahr kräftiger und blütenreicher wird. Diese Regel betrifft die Pflanztiefe und sie ist entscheidend für Erfolg oder Misserfolg. Es ist also an der Zeit, die Gartenhandschuhe anzuziehen und es richtig anzugehen.
| Vorbereitungszeit | 20 Min. |
| Pflanzzeit | 30–45 Min. |
| Schwierigkeitsgrad | Anfänger |
| Empfohlene Saison | Frühling (März bis Mai) |
Materialien und Zubehör
- 1 Clematis-Pflanze im Topf (mind. 9 cm Topfdurchmesser, kräftiger Wurzelballen)
- Hochwertiger Pflanzkompost oder reife Gartenerde
- Hornspäne oder ein organischer Langzeitdünger
- Rindenmulch oder Steinplatten zur Wurzelabdeckung
- Wasser — mindestens 10 Liter für das erste Angießen
- Kletterhilfe: Gitternetz, Rankgitter oder Bambusstäbe
- Bindedraht oder weiches Pflanzband
Werkzeug
- Spaten oder Grabegabel
- Pflanzkelle
- Gießkanne oder Gartenschlauch
- Maßband oder Zollstock
- Handschuhe
Die Pflanzschritte
1. Den richtigen Standort wählen
Clematis bevorzugen einen sonnigen bis halbschattigen Standort. Ideal sind mindestens vier bis sechs Stunden direkte Sonne täglich für eine reiche Blüte. Wichtig, und oft unterschätzt: Die Wurzeln mögen es kühl und feucht. Während die Triebe also in der Sonne sein sollten, bevorzugen die Wurzeln Schatten. Dies lässt sich erreichen, indem man die Pflanze so positioniert, dass andere Stauden, eine Steinplatte oder eine niedrige Buchsbaumhecke den Wurzelbereich beschatten. Wer direkt an einer Mauer pflanzt, sollte einen Abstand von mindestens 30 bis 40 cm zur Mauer einhalten, da Mauern dem Boden Feuchtigkeit und Wärme entziehen, was den Wurzelballen schädigen kann.
2. Das Pflanzloch vorbereiten — deutlich tiefer als üblich
Hier beginnt die Regel, die viele Hobbygärtner übersehen. Das Pflanzloch für eine Clematis muss deutlich tiefer gegraben werden, als der Topf hoch ist — mindestens 10 bis 15 cm tiefer. Bei einem 20 cm hohen Topf sollte man also ein Loch von mindestens 30 bis 35 cm Tiefe graben. Auch in der Breite sollte das Loch großzügig sein, mindestens doppelt so groß wie der Topfdurchmesser. Den Aushub mischt man zu einem Drittel mit reifem Kompost und einer Handvoll Hornspänen. Diese Mischung wird locker in den Boden des Lochs gegeben, ohne sie festzutreten, damit die Wurzeln später leicht eindringen können.
3. Die entscheidende Regel: 10 cm tiefer pflanzen als im Topf
Hier liegt der häufigste Fehler. Bei Gemüse und den meisten Stauden gilt: Die Pflanze wird auf der gleichen Tiefe eingesetzt wie im Topf. Bei der Clematis ist es genau umgekehrt. Der Wurzelhals, also die Stelle, an der Triebe und Wurzeln zusammentreffen, wird mindestens 5 bis 10 cm unterhalb der Bodenoberfläche positioniert. Das bedeutet, dass die Pflanze sichtbar tiefer als gewohnt in die Erde gesetzt wird, sodass die untersten Triebansätze leicht von Erde bedeckt sind. Der Grund dafür ist biologisch bedingt: Clematis sind anfällig für die Clematissiechkrankheit (Phoma clematidina), einen Pilz, der Triebe plötzlich welken lässt. Ist die Pflanze tief genug gesetzt, überleben unterirdische Knospen den Befall und treiben nach dem Rückschnitt neu aus. Wer auf normaler Höhe pflanzt, verliert beim ersten Befall die gesamte Pflanze.
4. Einpflanzen, angießen, mulchen
Die Pflanze wird aus dem Topf genommen, und der Wurzelballen wird vorsichtig gelockert. Verknotete Wurzeln können behutsam mit den Fingern auseinandergezogen werden, damit sie sich nach dem Pflanzen schneller in alle Richtungen ausbreiten können. Die Pflanze wird in der korrekten Tiefe eingesetzt, das Loch mit der vorbereiteten Erde-Kompost-Mischung aufgefüllt und leicht mit der Handfläche angedrückt. Nun erfolgt das erste Gießen: Mindestens 8 bis 10 Liter Wasser direkt an die Wurzelzone, langsam und gründlich, sodass der Boden auf ganzer Tiefe durchfeuchtet wird. Anschließend wird die Oberfläche mit 5 bis 8 cm Rindenmulch abgedeckt oder eine flache Steinplatte direkt über die Wurzelzone gelegt. Dies hält die Feuchtigkeit, kühlt die Wurzeln und verhindert Unkrautwuchs.
5. Kletterhilfe befestigen und erste Triebe führen
Clematis klammern sich mit ihren Blattstielen an Strukturen. Das funktioniert nur mit dünnen Haltemöglichkeiten. Dicke Holzlatten oder massive Metallrohre werden nicht umschlungen; ein feines Gitter, dünner Draht oder Bambusstäbe sind ideal. Die ersten Triebe werden mit weichem Pflanzband locker angebunden, ohne sie einzuschnüren. Wer eine Clematis an einer Hauswand ziehen möchte, montiert das Rankgitter mit einem Wandabstand von mindestens 5 cm, damit Luft zirkulieren kann. Dies beugt Schimmelbildung am Mauerwerk vor.
6. Rückschnitt nach dem Pflanzen
Viele zögern an dieser Stelle, aber frisch eingepflanzte Clematis sollten sofort zurückgeschnitten werden, sofern die Triebe länger als 30 cm sind. Der Rückschnitt auf zwei bis drei Augenpaare über dem Boden mag radikal erscheinen, ist es aber nicht. Er zwingt die Pflanze, mehr Energie in den Wurzelaufbau zu investieren, und fördert von Anfang an einen buschigen, verzweigten Wuchs. Wer diesen Schritt überspringt, hat im ersten Jahr einen langen, schwachen Trieb — und im zweiten Jahr immer noch. Wer schneidet, kann bereits im zweiten Frühling eine deutlich kräftigere, blütenreichere Pflanze erwarten.
Der Profi-Tipp
Wer im frühen Frühling pflanzt, wenn die Temperaturen noch schwanken, sollte die Clematis in den ersten zwei bis drei Wochen nachts mit einem leichten Vlies abdecken, falls Nachtfröste unter minus zwei Grad Celsius zu erwarten sind. Dies dient dem Schutz des frisch gelockerten Wurzelballens, der noch nicht fest im Erdreich verankert ist. Ein weiterer Trick: Eine Handvoll Mykorrhiza-Granulat direkt an den Wurzelballen geben, bevor das Loch zugeschüttet wird. Dieses symbiontische Pilzgeflecht beschleunigt die Verwurzelung nachweislich und ist in jedem gut sortierten Gartencenter erhältlich.
Pflege und langfristige Erhaltung
Im ersten Sommer nach dem Pflanzen ist regelmäßiges Gießen entscheidend, besonders bei trocken-warmem Wetter. Zwei bis drei Mal pro Woche gründlich zu gießen ist effektiver als tägliches oberflächliches Wässern, das kaum die Tiefenwurzeln erreicht. Ab dem zweiten Jahr ist die Clematis deutlich pflegeleichter und kommt bei normalem Regenfall weitgehend allein zurecht.
Der Rückschnitt richtet sich nach der Schnittgruppe der jeweiligen Sorte. Diese Information sollte beim Kauf auf dem Etikett vermerkt sein. Gruppe 1 wird kaum geschnitten, Gruppe 2 leicht ausgelichtet, Gruppe 3 jedes Jahr im späten Winter bis auf kniehohe Stümpfe zurückgeschnitten. Wer die Schnittgruppe kennt, vermeidet den häufigsten Fehler: eine Clematis der Gruppe 3 nicht zu schneiden und sich dann zu wundern, warum die Pflanze nur ganz oben blüht.
Varianten und weiterführende Überlegungen
Wer keine Mauer oder keinen Zaun hat, kann Clematis auch als Bodendecker über Totholzäste führen oder in große Kübel setzen. In diesem Fall sollte man mindestens 40 Liter Fassungsvolumen wählen und besonders auf regelmäßige Bewässerung achten, da Kübelpflanzen viel schneller austrocknen. Für kleine Gärten eignen sich kompakte Sorten wie Clematis alpina oder Clematis viticella-Hybriden, die auch mit weniger Platz auskommen. Großwüchsige Klassiker wie Clematis montana können in zehn Jahren eine Fläche von über 30 m² bedecken, was vor dem Kauf bedacht werden sollte.
Für die Pflanzung in der Nähe von Grundstücksgrenzen gelten die landesrechtlichen Regelungen zum Mindestpflanzabstand, die je nach Bundesland und Gemeindeordnung variieren. Wer Clematis an der Grenze zum Nachbargrundstück pflanzt, sollte sich vorab bei der zuständigen Gemeinde oder im jeweiligen Nachbarrechtsgesetz des Bundeslandes informieren.
Häufig gestellte Fragen
Warum stirbt meine Clematis plötzlich ab, obwohl sie vorher gut gewachsen ist?
Häufig ist die Ursache die Clematissiechkrankheit, verursacht durch den Pilz Phoma clematidina. Die Triebe welken innerhalb weniger Tage, oft einseitig. Wer die Pflanze tief genug gesetzt hat, sollte die betroffenen Triebe bis auf den Boden zurückschneiden und die Schnittstelle mit Holzkohlenstaub behandeln. In den meisten Fällen treibt die Pflanze aus unterirdischen Knospen neu aus. Zu flach gepflanzte Clematis überstehen diesen Befall selten.
Kann man Clematis auch im Herbst pflanzen?
Ja, eine Herbstpflanzung ist möglich, wenn der Boden noch nicht gefroren ist, also bis etwa Ende Oktober. Die Pflanze hat dann weniger Zeit, sich vor dem Winter zu verwurzeln, was das Risiko von Frostschäden leicht erhöht. Wer im Herbst pflanzt, verzichtet auf den Rückschnitt nach dem Pflanzen und schützt die Wurzelzone mit einer dicken Schicht Laub oder Rindenmulch.
Welche Clematis-Sorten blühen besonders lang?
Sorten der Viticella-Gruppe blühen in der Regel von Juni bis September und gelten als besonders robust und pilzresistent. Großblumige Hybriden wie „The President" oder „Nelly Moser" bieten spektakuläre Blüten, sind aber etwas anspruchsvoller in der Pflege. Für Einsteiger sind Clematis viticella-Sorten die zuverlässigere Wahl.
Wie viel Wasser braucht eine frisch gepflanzte Clematis im Frühling?
In den ersten vier bis sechs Wochen nach dem Pflanzen sollte die Erde stets leicht feucht, aber nicht nass sein. Bei trockenen Perioden empfiehlt sich eine Wassergabe von etwa acht bis zehn Litern alle zwei bis drei Tage, direkt an die Wurzelzone. Das Mulchen mit Rindenmulch reduziert den Wasserbedarf merklich.
Darf die Clematis direkten Kontakt zu einem frisch gestrichenen Holzzaun haben?
Frisch gestrichenes Holz gibt in den ersten Wochen Lösungsmittel und Biozide ab, die empfindliche Triebspitzen reizen können. Nach einer Trocknungszeit von mindestens zwei bis drei Wochen ist der Kontakt in der Regel unbedenklich. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, befestigt ein separates Gitternetz im Abstand von fünf Zentimetern zum Zaun.



