Natürlicher Blattfall nach der Ernte: kein Grund zur Sorge
Viele Hobbygärtner erschrecken, wenn ihr Johannisbeerstrauch kurz nach der Ernte beginnt, Blätter abzuwerfen. Das muss jedoch nicht bedeuten, dass etwas nicht stimmt. Johannisbeeren sind Laubgehölze – sie bereiten sich ab dem Spätsommer auf die Winterruhe vor.
Wie viel Blattverlust ist noch normal?
Ein gewisser vorzeitiger Blattfall ab August ist bei Schwarzen, Roten und Weißen Johannisbeeren durchaus üblich. Der Strauch hat seine Energie in die Fruchtbildung investiert. Nach der Ernte verlagert er Nährstoffe zurück in Äste und Wurzeln. Ein teilweise entblätterter Strauch im August oder September ist daher kein automatisches Alarmsignal.
Besorgniserregend wird es, wenn:
- der Blattfall bereits im Juni oder Juli einsetzt,
- die Blätter vor dem Abfallen deutliche Flecken, Verfärbungen oder Verformungen zeigen,
- der Strauch innerhalb weniger Wochen komplett entblättert ist.
Wann genau setzt der natürliche Blattfall bei Johannisbeeren ein?
Unter normalen Bedingungen beginnt der natürliche Blattfall bei Johannisbeeren ab Mitte August bis September. Er verläuft gleichmäßig und ohne auffällige Verfärbungen. Die Blätter werden gelblich-grün und fallen ohne Flecken oder Schimmel ab. Setzt dieser Prozess deutlich früher ein oder zeigen die Blätter vorher Symptome, deutet das auf eine Krankheit oder einen Schädlingsbefall hin.
Die häufigste Krankheit: Blattfallkrankheit (Drepanopeziza ribis)
Die Blattfallkrankheit ist die mit Abstand häufigste Pilzkrankheit an Johannisbeeren in Deutschland. Verursacht wird sie durch den Schlauchpilz Drepanopeziza ribis. Sie befällt Schwarze Johannisbeeren besonders stark, tritt aber auch an Roten, Weißen Johannisbeeren und Stachelbeeren auf. Laut der Landesanstalt für Landwirtschaft Bayern (LfL) gehört sie zu den wirtschaftlich bedeutsamsten Pilzkrankheiten im Beerenobstanbau.
Schadbild erkennen: Flecken, Vergilbung, Einrollen
Die befallenen Blätter vergilben zunächst rund um kleine, braune bis graubraune Flecken. Diese Flecken haben einen Durchmesser von zwei bis fünf Millimetern. In feuchten Perioden sind auf der Blattunterseite kleine weißliche Sporenlager sichtbar. Die Blätter rollen sich ein, vergilben flächig und fallen früh ab – häufig bereits im Juli, also unmittelbar nach der Ernte.
Ein stark befallener Strauch kann bereits im Hochsommer vollständig entblättert sein. Das schwächt ihn erheblich, da die Photosynthese früh endet und die Reserven für den nächsten Austrieb fehlen.
Lebenszyklus des Pilzes und Ausbreitungsbedingungen
Drepanopeziza ribis überwintert auf abgefallenem, infiziertem Laub am Boden. Im Frühjahr werden Ascosporen freigesetzt, die bei feuchtem, warmem Wetter (optimale Bedingungen: über 15 °C, Blattnässe für mindestens sechs Stunden) auf neue Blätter gelangen. Regnerische Frühjahre und Sommer begünstigen einen starken Befall. Das Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Rheinland-Pfalz (DLR RLP) weist darauf hin, dass enge Pflanzabstände und mangelnde Luftzirkulation die Ausbreitung zusätzlich fördern.
Welche Johannisbeer-Sorten sind besonders anfällig?
Ältere Schwarze Johannisbeersorten gelten als besonders anfällig. Neuere Züchtungen wie ‚Ometa‘, ‚Titania‘ oder ‚Ben Hope‘ zeigen eine deutlich bessere Widerstandsfähigkeit gegenüber Drepanopeziza ribis. Bei Roten Johannisbeeren sind viele gängige Sorten ebenfalls anfällig; resistentere Alternativen sind beispielsweise ‚Rovada‘ oder ‚Junifer‘. Fachportale wie Hortipendium bieten illustrierte Schadbilder, die die Diagnose vor Ort erleichtern.
Bekämpfung und Vorbeugung
Eine direkte Bekämpfung mit Fungiziden ist in deutschen Hausgärten nur eingeschränkt möglich, da die Zulassungslage für Pflanzenschutzmittel im Hobbybereich laufend aktualisiert wird. Prüfen Sie daher stets die aktuelle Zulassung beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) oder fragen Sie im Fachhandel nach zugelassenen Mitteln für Johannisbeeren.
Vorbeugend helfen diese Maßnahmen deutlich:
- Befallenes Laub im Herbst vollständig einsammeln und über den Hausmüll entsorgen – nicht kompostieren, da Pilzsporen auf dem Kompost überleben und sich erneut ausbreiten.
- Ausreichende Pflanzabstände für gute Luftzirkulation einhalten.
- Tröpfchenbewässerung statt Beregnung von oben nutzen, um Blattnässe zu reduzieren.
- Resistente Sorten beim Neuanpflanzen bevorzugen.
Weitere Pilzkrankheiten, die Blattfall auslösen
Neben der Blattfallkrankheit gibt es weitere Pilzkrankheiten, die an Johannisbeersträuchern Entblätterung verursachen können.
Amerikanischer Stachelbeermehltau (Sphaerotheca mors-uvae)
Der Amerikanische Stachelbeermehltau befällt primär Stachelbeeren, tritt aber auch an Schwarzen Johannisbeeren auf. Erkennungszeichen ist ein weißes, mehliges Belag auf Blättern, Triebspitzen und jungen Früchten. Bei starkem Befall rollen sich die Blätter ein und fallen ab. Der Pilzbefall setzt sich fort, wenn die betroffenen Triebe nicht konsequent zurückgeschnitten werden – idealerweise direkt nach dem Entdecken.
Rotpustelkrankheit (Nectria cinnabarina)
Die Rotpustelkrankheit, verursacht durch den Pilz Nectria cinnabarina, zeigt sich durch auffällige orangerote bis ziegelrote Sporenlager (Pusteln) auf abgestorbener Rinde. Der Pilz ist ein Schwächeparasit: Er befällt vor allem bereits geschädigte oder gestresste Triebe. Betroffene Äste sterben ab (Triebsterben), was indirekt zu Blattverlust führt. Befallene Triebe müssen großzügig ins gesunde Holz zurückgeschnitten werden.
Botrytis-Rindenbrand (Triebsterben)
Botrytis cinerea, der Erreger des Grauschimmels, kann unter feuchten Bedingungen auch einen Rindenbrand an Johannisbeeren verursachen. Befallene Triebe sterben von der Spitze her ab; die Rinde zeigt einen bräunlichen, feuchten Belag. Auch hier ist das Ergebnis Blattverlust durch absterbendes Triebgewebe. Konsequenter Rückschnitt und die Entsorgung des Schnittguts über den Hausmüll sind die wichtigste Gegenmaßnahme.
Schädlinge als Blattfall-Auslöser
Nicht jeder Blattfall hat eine Pilzkrankheit als Ursache. Auch Schädlinge können dazu führen, dass ein Johannisbeerstrauch vorzeitig Blätter verliert.
Johannisbeerblasenlaus (Cryptomyzus ribis)
Die Johannisbeerblasenlaus (Cryptomyzus ribis) ist ein klassischer Schädling an Roten und Weißen Johannisbeeren. Ihre Saugschäden erzeugen charakteristische blaasige, rötliche Aufwölbungen auf der Blattoberseite. Auf der Blattunterseite sitzen die Läuse in dichten Kolonien. Stark befallene Blätter rollen sich ein, vertrocknen und fallen ab. Der Befall fällt häufig schon vor der Ernte auf – typischerweise ab Mai bis Juni.
Gegen leichten Befall genügen oft Nützlinge wie Marienkäfer oder Florfliegen. Bei starkem Befall können zugelassene Pflanzenschutzmittel auf Basis von Rapsöl oder Kaliseife eingesetzt werden – Zulassung vorab prüfen.
Johannisbeergallmilbe (Cecidophyopsis ribis)
Die Johannisbeergallmilbe (Cecidophyopsis ribis) lebt im Inneren von Knospen und verursacht das sogenannte Johannisbeerknospenälchen oder die „Großknospigkeit“. Befallene Knospen schwellen kugelig auf und treiben im Frühjahr nicht aus. Das reduziert die Blattmasse erheblich. Zusätzlich überträgt die Gallmilbe das Reversion-Virus, das den Strauch langfristig schädigt. Stark befallene Sträucher sollten gerodet und ersetzt werden.
Spinnmilben bei Trockenheit
In heißen, trockenen Sommern können Spinnmilben (Familie Tetranychidae) an Johannisbeeren auftreten. Sie saugen an der Blattunterseite und hinterlassen eine feine, silbrige Sprenkelung auf der Blattoberseite. Bei starkem Befall vergilben und fallen die Blätter vorzeitig ab. Regelmäßige Wasserversorgung und das Abspritzen der Blätter mit Wasser reduzieren den Befall. Spinnmilben sind keine Insekten – gängige Insektizide wirken nicht; Akarizide oder Raubmilben als biologische Lösung sind gezielter.
Schnelldiagnose: Woran erkenne ich die Ursache?
Die folgende Tabelle gibt einen schnellen Überblick über die wichtigsten Symptome und ihre wahrscheinlichste Ursache. Sie ersetzt keine fachliche Diagnose, hilft aber bei der ersten Einschätzung.
Symptom-Tabelle: Flecken, Farbe, Muster – was bedeutet was?
| Symptom | Zeitpunkt | Wahrscheinliche Ursache |
|---|---|---|
| Kleine braune Flecken, Blätter vergilben und fallen ab | Juni–August | Blattfallkrankheit (Drepanopeziza ribis) |
| Weißer, mehliger Belag auf Blättern und Trieben | Mai–September | Amerikanischer Stachelbeermehltau (Sphaerotheca mors-uvae) |
| Rötliche, blasige Aufwölbungen auf der Blattoberseite | Mai–Juni | Johannisbeerblasenlaus (Cryptomyzus ribis) |
| Silbrige Sprenkelung, feine Gespinste auf der Blattunterseite | Juli–August (Trockenheit) | Spinnmilben |
| Kugelig aufgeschwollene Knospen, kein Austrieb | Frühjahr | Johannisbeergallmilbe (Cecidophyopsis ribis) |
| Orangerote Pusteln auf abgestorbener Rinde | Ganzjährig | Rotpustelkrankheit (Nectria cinnabarina) |
| Triebe sterben von der Spitze ab, brauner Belag auf Rinde | Spätsommer–Herbst | Botrytis-Triebsterben (Botrytis cinerea) |
| Gleichmäßige Vergilbung, keine Flecken, Strauch wirkt gesund | Ab August | Natürlicher Blattfall (kein Handlungsbedarf) |
Wann sollte ich einen Fachmann hinzuziehen?
Wenn die Symptome nicht eindeutig zuzuordnen sind, mehrere Krankheitsbilder gleichzeitig auftreten oder ein wertvoller Strauch trotz aller Maßnahmen weiter schwächelt, lohnt sich der Gang zur zuständigen Pflanzenschutzdienststelle des jeweiligen Bundeslandes. Die LfL Bayern und das DLR Rheinland-Pfalz bieten beispielsweise Beratungsangebote und Probendiagnosen an. Auch der örtliche Kreisfachberater für Gartenkultur kann vor Ort helfen.
Den Johannisbeerstrauch retten: Maßnahmen nach dem Befall
Ein befallener Strauch ist nicht automatisch verloren. Mit den richtigen Maßnahmen – zum richtigen Zeitpunkt ergriffen – erholt sich ein Johannisbeerstrauch in vielen Fällen vollständig.
Sofortmaßnahmen bei starkem Befall
Handeln Sie rasch, sobald ein Befall erkannt ist:
- Entfernen Sie stark befallene Blätter sofort von Hand und entsorgen Sie diese über den Hausmüll – nicht über den Kompost.
- Reduzieren Sie die Beregnung von oben; gießen Sie stattdessen gezielt an der Wurzel.
- Stellen Sie sicher, dass der Strauch ausreichend mit Kalium versorgt ist – Kaliummangel schwächt die Zellwände und erleichtert Pilzinfektionen.
- Bei Schädlingsbefall (Läuse, Spinnmilben): Befallene Triebe abschneiden oder mit starkem Wasserstrahl abspritzen.
Rückschnitt, Laubentsorgung und Pflanzenhygiene
Im Herbst, nach dem vollständigen Laubfall, ist ein konsequenter Rückschnitt sinnvoll. Entfernen Sie alle abgestorbenen, stark befallenen und zu dicht stehenden Triebe bis ins gesunde Holz. Lichten Sie den Strauch so aus, dass Luft und Licht ins Innere gelangen.
Sammeln Sie das gesamte Laub unter dem Strauch ein. Befallenes Laub gehört in den Hausmüll oder – bei sehr hohen Temperaturen – in die Biotonne, falls Ihre Gemeinde eine thermophile Kompostierung gewährleistet. Im eigenen Garten-Kompost überleben Pilzsporen von Drepanopeziza ribis problemlos und reinfizieren den Strauch im nächsten Frühjahr.
Reinigen Sie Gartenwerkzeug nach dem Schnitt mit Alkohol oder einem geeigneten Desinfektionsmittel, um eine Verschleppung von Erregern zu vermeiden.
Resistente Sorten als langfristige Lösung
Wer immer wieder mit Pilzkrankheiten kämpft, sollte beim nächsten Neupflanzen auf widerstandsfähige Sorten setzen. Für Schwarze Johannisbeeren gelten ‚Titania‘, ‚Ben Hope‘ und ‚Ometa‘ als weniger anfällig gegenüber Drepanopeziza ribis. Bei Roten Johannisbeeren sind ‚Rovada‘ und ‚Junifer‘ empfehlenswert. Resistente Sorten bedeuten nicht, dass ein Befall ausgeschlossen ist – sie reduzieren das Risiko und den Schweregrad jedoch deutlich. Fachliche Informationen zu aktuell empfohlenen Sorten liefern die Beratungsdienste der Landesanstalten.
Häufig gestellte Fragen
Warum verliert mein Johannisbeerstrauch nach der Ernte alle Blätter?
Das kann zwei Ursachen haben. Setzt der Blattfall ab August ein und zeigen die Blätter keine Flecken oder Verfärbungen, handelt es sich wahrscheinlich um den natürlichen Herbstblattfall. Fallen die Blätter jedoch bereits im Juli oder früher, oder zeigen sie braune Flecken und Vergilbungen, ist die Blattfallkrankheit (Drepanopeziza ribis) die wahrscheinlichste Ursache. Ein Pilzbefall schwächt den Strauch und sollte behandelt werden.
Was tun gegen die Blattfallkrankheit bei Johannisbeeren?
Entfernen Sie befallenes Laub sofort und entsorgen Sie es über den Hausmüll – nicht kompostieren. Schneiden Sie den Strauch im Herbst konsequent aus und sorgen Sie für gute Luftzirkulation. Eine Beregnung von oben sollte vermieden werden. Im professionellen Anbau sind bestimmte Fungizide zugelassen; im Hausgarten ist die Zulassungssituation eingeschränkter. Prüfen Sie aktuelle Zulassungen beim BVL oder fragen Sie im Fachhandel. Langfristig schützen resistente Sorten am zuverlässigsten.
Welche Pilzkrankheiten befallen Johannisbeeren am häufigsten?
Die häufigste Pilzkrankheit ist die Blattfallkrankheit (Drepanopeziza ribis), die zu vorzeitigem Blattfall führt. Daneben treten der Amerikanische Stachelbeermehltau (Sphaerotheca mors-uvae), die Rotpustelkrankheit (Nectria cinnabarina) sowie das Botrytis-Triebsterben (Botrytis cinerea) auf. Welche Krankheit überwiegt, hängt von Sorte, Standort und Witterungsbedingungen ab. Feuchte, warme Sommer begünstigen Pilzbefall generell.



