NABU empfiehlt diese 5 Stauden, die ab April Wildbienen sofort Nahrung bieten

Der April ist da! Mit ihm erwacht nicht nur der Garten aus dem Winterschlaf, sondern auch die ersten Wildbienen verlassen ihre Überwinterungsquartiere und suchen sofort nach Nahrung. In dieser kritischen Phase entscheidet das Angebot an Nektar und Pollen über das Überleben der frühen Fluginsekten. Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) hat fünf Stauden identifiziert, die ab April zuverlässig Nahrung liefern und damit eine Brücke in die blütenreiche Hochsaison schlagen.

Diese Pflanzen sind keine Exoten aus dem Fachhandel, sondern bewährte heimische Arten, die sich in jedem Hausgarten, auf der Terrasse oder auf dem Balkon etablieren lassen. Wer jetzt in diesen ersten Apriltagen zur Schaufel greift und diese Stauden setzt, tut nicht nur etwas für die Artenvielfalt, sondern schafft sich auch einen Garten, der jedes Jahr von selbst wieder aufblüht.

Zeitaufwand Pflanzungca. 30–60 Min. pro Pflanze
SchwierigkeitsgradEinsteiger
Optimale PflanzsaisonFrühjahr (April–Mai)
LanglebigkeitMehrjährig, 5–15 Jahre je nach Art
PflegeaufwandGering bis mittel

Warum gerade der April so entscheidend ist

Viele Wildbienenarten, darunter die Gehörnte Mauerbiene (Osmia cornuta) und die Frühlings-Pelzbiene (Anthophora plumipes), schlüpfen bereits im März und April aus ihren Brutzellen. Ihr Stoffwechsel ist nach der langen Ruhephase auf sofortige Energiezufuhr angewiesen. Das Problem: Konventionelle Gartenstauden blühen häufig erst ab Mai oder Juni. Diese Lücke, in der Fachsprache als Trachtlücke bezeichnet, kann für Solitärbienen tödlich sein, vor allem für Weibchen, die gleichzeitig ihren Energiebedarf decken und Pollen für ihre Brut sammeln müssen.

Der NABU empfiehlt daher gezielt Arten, die diese Trachtlücke schließen. Entscheidend ist dabei nicht nur der Blütezeitpunkt, sondern auch die Blütenform: Offene, flache oder röhrenförmige Blüten mit zugänglichem Nektar sind für Wildbienen mit unterschiedlich langen Rüsseln geeignet, anders als viele hochgezüchtete Zierpflanzen, deren Blüten durch Doppelblütigkeit oder enge Kronröhren den Zugang erschweren oder ganz verweigern.

Die 5 Nabu-empfohlenen Stauden für den April-Start

1. Lungenkraut (Pulmonaria officinalis)

Das Lungenkraut gehört zu den frühesten Staudenblühern überhaupt und öffnet seine Blüten bereits im März, die Hauptblütezeit fällt aber genau in den April. Die kleinen, röhrenförmigen Blüten wechseln ihre Farbe von rosa zu violett ein Merkmal, das auf den Bestäubungsstatus der Blüte hinweist. Hummeln und langrüsselige Wildbienen wie die Garten-Wollbiene (Anthidium manicatum) nutzen das Lungenkraut intensiv. Es bevorzugt halbschattige Standorte unter Gehölzen und gedeiht auch noch im trockenen Bodenschatten eine echte Lückenfüllerpflanze für Bereiche, in denen andere Stauden versagen. Der NABU hebt hervor, dass Pulmonaria officinalis zudem als Zeigerpflanze für naturnahe Gartenkultur gilt und in alten Bauerngärten seit Jahrhunderten heimisch ist.

2. Kriechender Günsel (Ajuga reptans)

Der kriechende Günsel breitet sich flächig aus und bildet dichte, teppichartige Bestände, die ab April mit leuchtend blauen Blütenähren bedeckt sind. Für Wildbienen ist er eine der zuverlässigsten frühen Pollenquellen. Die Blüten sind zugänglich für Arten mit mittellanger Rüssellänge, darunter verschiedene Lasioglossum-Arten (Furchenbienen), die zu den häufigsten Solitärbienengruppen Deutschlands zählen. Als Bodendecker hält er gleichzeitig Feuchtigkeit im Boden, unterdrückt Beikräuter und liefert Schattenschutz für Bodenstrukturen, in denen andere Wildbienenarten nisten. Er kommt mit nahezu jedem Gartenboden zurecht von lehmig bis sandig und verbreitet sich durch Ausläufer selbstständig weiter, ohne invasiv zu werden.

3. Wiesensalbei (Salvia pratensis)

Der heimische Wiesensalbei blüht etwas später als die ersten beiden Arten, setzt aber ab Ende April bis weit in den Juni hinein Maßstäbe für Insektenreichtum. Seine blauen bis violetten Lippenblüten sind geradezu auf Bienen zugeschnitten: Die Hebelmechanik der Blüte, bei der ein Staubbeutel beim Einflug des Insekts nach unten gedrückt wird, bestäubt gezielt den Rücken der Biene. Besonders Langhornbienen (Eucera sp.) und Mörtelbienen (Megachile sp.) werden vom Wiesensalbei angelockt. Der NABU betont, dass Salvia pratensis im Gegensatz zu gärtnerischen Zuchtformen wie Salvia nemorosa die ursprüngliche, für Wildbienen optimal zugängliche Blütenstruktur bewahrt. Standort: vollsonnig, trockener bis mäßig trockener Boden ideal für den sonnigen Staudenrand oder Kiesgarten.

4. Kaukasus-Vergissmeinnicht (Brunnera macrophylla)

Weniger bekannt als sein kurzlebiges Verwandtes aus dem Beet, liefert das Kaukasus-Vergissmeinnicht ab April über Wochen hinweg ein kontinuierliches Nahrungsangebot. Die kleinen himmelblauen Blüten mit gelbem Schlundring sind für viele kurzrüsselige Wildbienenarten wie Maskenbienen (Hylaeus sp.) besonders attraktiv eine Gruppe, die auf offene, leicht zugängliche Blüten angewiesen ist und häufig übersehen wird, weil sie keinen dichten Pelz trägt und Laien oft als "Wespe" abgetan wird. Brunnera macrophylla verträgt tieferen Schatten als die meisten anderen Frühjahrsstauden, was sie besonders wertvoll für Nordgärten oder Bereiche unter Bäumen macht. Die großen, herzförmigen Blätter bleiben bis in den Herbst hinein dekorativ.

5. Gelbe Stauden-Wolfsmilch (Euphorbia polychroma)

Die leuchtend schwefelgelbe Wolfsmilch ist ein echter Hingucker im Frühlingsbeet und für Wildbienen eine wichtige Nektarquelle. Ihre Blütezeit beginnt Mitte April und hält mehrere Wochen an. Obwohl der weiße Milchsaft der Pflanze bei Hautkontakt gereizt werden kann hier ist beim Schneiden Handschuhe tragen Pflicht stellt er für Insekten keinerlei Problem dar. Der Nektar ist offen zugänglich und wird von einem breiten Bienenspektrum besucht. Euphorbia polychroma ist robust, kalkverträglich, trockenheitstolerant und kommt auch mit Sandböden zurecht, die vielen anderen Stauden zu nährstoffarm sind. Genau diese Standortbedingungen mager und trocken fördern übrigens auch die Ansiedlung bodenbrütender Wildbienenarten in der unmittelbaren Nähe.

Richtig pflanzen im April: Worauf es ankommt

Beim Einpflanzen im April gilt die Faustregel: Der Boden sollte mindestens 8 °C in 10 cm Tiefe erreicht haben dann sind auch die Bodenorganismen aktiv, die bei der Wurzelentwicklung helfen. Den Pflanzbereich vorab gründlich lockern, ohne dabei bestehende Bodenstrukturen zu zerstören, in denen bereits bodenbrütende Bienen ihre Nester angelegt haben könnten. Wer unsicher ist, tastet den Boden vorsichtig mit einer Grabegabel ab, anstatt mit dem Spaten zu stechen. Die Pflanztiefe entspricht der jeweiligen Topftiefe: Zu tief gesetzt ersticken viele Stauden, zu flach trocknen die Wurzeln aus. Nach dem Einpflanzen gut angießen, auch wenn Regen angekündigt ist: Das sorgt für unmittelbaren Bodenschluss an den Wurzeln.

Gestaltung: Trachtband statt Einzelpflanze

Einzeln gepflanzt sind diese Stauden wertvoll. In Gruppen von mindestens drei bis fünf Exemplaren pro Art, wie es der NABU empfiehlt, werden sie zu echten Wildbieneninseln. Das liegt daran, dass Wildbienen ortstreue Tiere sind: Sie merken sich ertragreiche Futterquellen und fliegen diese gezielt an, wenn die Fläche groß genug ist, um sie wahrzunehmen. Ein schmaler Streifen von 30 cm Breite mit einer einzelnen Pflanze wird oft gar nicht beflogen, während eine Fläche von einem Quadratmeter mit derselben Art regelmäßige Besucher anzieht. Wer die fünf Nabu-Stauden kombiniert und staffelt Lungenkraut und Günsel vorne, Brunnera im Halbschatten, Wolfsmilch und Salbei in der Sonnenlage schafft ein Trachtband, das von April bis in den Frühsommer lückenlos Nahrung bietet.

Der Profi-Tipp

Den Pflanzbereich im Herbst nicht zu radikal aufräumen. Die vertrockneten Stängel von Wiesensalbei und Wolfsmilch bieten Überwinterungsplätze für Insekten und markieren außerdem genau jene Stellen, an denen im nächsten April wieder Blüten erscheinen werden. Wer im April pflanzt und im Herbst stehen lässt, was stehen bleiben kann, verdoppelt den ökologischen Nutzen dieser Stauden ohne jeden Mehraufwand.

Pflege und Langzeitperspektive

Alle fünf Nabu-Stauden sind mehrjährig und kommen nach dem ersten Standjahr weitgehend ohne Zusatzbewässerung aus, sofern sie am richtigen Standort stehen. Im ersten April nach der Pflanzung kann bei anhaltender Trockenheit einmal pro Woche gegossen werden, um die Wurzelentwicklung zu unterstützen. Gedüngt wird sparsam oder gar nicht: Zu nährstoffreiche Böden treiben übermäßig viel Blattmasse auf Kosten der Blüte.

Die Rückschnitt-Regel ist einfach: Nicht im Herbst, sondern im zeitigen März dann haben Überwinterungsgäste in Stängeln und Blattrosetten den Winter überlebt, und der Schnitt erfolgt kurz bevor die neuen Triebe schieben. Das erhält die natürliche Struktur des Beets bis in den Frühling und gibt bodenbrütenden Bienen die Chance, ihre Winterruhe ungestört zu beenden.

Weiterführende Möglichkeiten

Wer über die fünf Grundstauden hinaus denken möchte, kann das Trachtband mit frühen Gehölzen wie Weidenkätzchen (Salix caprea) oder einer Kornelkirsche (Cornus mas) ergänzen beide blühen noch vor den Nabu-Stauden und schließen die Lücke im März. Für Balkon und Terrasse bieten sich Topfpflanzungen mit Lungenkraut und Günsel an, die auch in tiefen Kästen gedeihen. Wer einen gemeinschaftlichen Grünstreifen oder eine Verkehrsinsel bepflanzen möchte, sollte bei der zuständigen Gemeinde anfragen: Viele Kommunen unterstützen solche Projekte aktiv und stellen auf Antrag Pflanzmaterial bereit.

Für Schulgärten oder Kita-Beete eignet sich besonders das Kaukasus-Vergissmeinnicht, da es ungiftig und sehr pflegeleicht ist im Gegensatz zur Wolfsmilch, deren Milchsaft empfindliche Haut reizen kann und die daher nur für Bereiche geeignet ist, die nicht von kleinen Kindern bespielt werden.

StaudeBlütezeitStandortKosten (Topfpflanze, Richtpreis)
LungenkrautMärz–AprilHalbschattenca. 3–6 €
Kriechender GünselApril–MaiSonne bis Schattenca. 2–5 €
WiesensalbeiApril–JuniVollsonne, trockenca. 3–6 €
Kaukasus-VergissmeinnichtApril–MaiHalbschatten bis Schattenca. 4–8 €
Gelbe WolfsmilchApril–MaiSonne, trockenca. 4–7 €

Häufig gestellte Fragen

Kann ich diese Stauden auch im Topf auf dem Balkon pflanzen?

Lungenkraut, kriechender Günsel und Kaukasus-Vergissmeinnicht eignen sich gut für tiefe Balkonkästen oder Töpfe ab 20 cm Durchmesser. Wichtig sind ausreichend Substrat und ein schattenverträglicher Standort. Die Wolfsmilch und der Wiesensalbei brauchen trockenere, durchlässige Bedingungen und gedeihen in Töpfen nur, wenn das Substrat gut drainiert ist und der Balkon sonnig und windgeschützt liegt. Auf kleinen Balkonen ist Lungenkraut die unkomplizierteste Wahl, da er kaum Pflege braucht und trotzdem zuverlässig blüht.

Müssen es unbedingt diese fünf Arten sein, oder gibt es Alternativen?

Der NABU empfiehlt diese fünf Arten, weil sie heimisch, robust, gut verfügbar und für ein breites Wildbienenspektrum geeignet sind. Ergänzend wirken frühe Zwiebelblüher wie Blaustern (Scilla siberica) oder Schneeglöckchen, die noch früher im Jahr blühen. Als Ersatz für den Wiesensalbei bei schattigeren Standorten eignet sich der kriechende Günsel bereits gut. Wichtig ist immer: keine gefüllten Zuchtsorten, keine invasiven Neophyten wie Armenische Traubenhyazinthe in bestimmten Regionen, und möglichst heimische Herkünfte aus regionalem Saatgut bevorzugen.

Wie erkenne ich, ob Wildbienen meine Stauden tatsächlich annehmen?

Der zuverlässigste Indikator ist die direkte Beobachtung an warmen Apriltagen zwischen 10 und 16 Uhr, wenn die Bienen am aktivsten sind. Wer die kleinen, oft weniger als einen Zentimeter großen Furchenbienen oder Maskenbienen nicht auf Anhieb erkennt, achtet auf kreisende Flugbewegungen an den Blüten und das typische Summen. Bienenbesuche häufen sich außerdem, sobald sich die Pflanzen etabliert haben oft kommt der stärkste Besuch im zweiten Jahr nach der Pflanzung, wenn die Pflanzen mehr Blütenmasse bilden.

Muss ich spezielle Sorten kaufen oder reichen normale Gartencenter-Pflanzen?

Für die fünf NABU-Stauden gilt: Die Ursprungsart ist immer besser als Zuchtformen. Bei Salvia pratensis etwa sind violett blühende Wildformen den weißen oder tiefblauen Gartenselektionen vorzuziehen. Achten Sie auf die botanischen Artnamen auf den Etiketten alles, was als „Gartenform", „Hybride" oder mit Sortenname in einfachen Anführungszeichen ausgezeichnet ist (z.B. Salvia nemorosa 'Caradonna'), ist züchterisch bearbeitet und muss nicht dieselbe Zugänglichkeit für Wildbienen bieten. Stauden aus der Wildpflanzen-Abteilung des Gartencenters oder aus spezialisierten Wildstauden-Gärtnereien sind erste Wahl.

Ist der Anbau dieser Pflanzen in der Nähe von Nutzgärten oder Gemüsebeeten sinnvoll?

Ausdrücklich ja. Wildbienen sind hocheffiziente Bestäuber oft effizienter als Honigbienen und profitieren umgekehrt von der Blütenvielfalt eines Nutzgartens im Sommer. Ein Trachtband mit Nabu-Stauden am Rand eines Gemüsebeets steigert nachweislich die Bestäubungsrate bei Zucchini, Tomaten, Bohnen und Himbeeren. Wer die Stauden als Beeteinfassung oder in einem Streifen von 50 cm Breite direkt neben das Nutzgartenbeet pflanzt, schafft eine Funktionssynergie: Die Bienen kommen wegen der Stauden und bestäuben dabei das Gemüse ohne jedes Zutun.