Warum läuft die Regentonne bei Starkregen über?
Bei einem kräftigen Sommergewitter kann ein einziges Dach innerhalb von Minuten hunderte Liter Regenwasser abgeben. Ist die Regentonne bereits gut gefüllt, läuft sie unweigerlich über – und das Wasser sucht sich seinen Weg direkt an der Hauswand entlang oder in die angrenzenden Beete. Drei Ursachen sind dafür besonders häufig verantwortlich.
Zu kleines Volumen für intensive Niederschläge
Eine handelsübliche Regentonne fasst 200 bis 500 Liter. Ein durchschnittliches Einfamilienhausdach (ca. 100 m²) leitet bei einem Starkregen von 15 mm je Stunde rund 1.500 Liter Wasser ab. Das Fassungsvermögen einer einzelnen Tonne ist damit innerhalb von Minuten erschöpft. Wer in Deutschland lebt, muss solche Ereignisse inzwischen häufiger einkalkulieren: Der Deutsche Wetterdienst verzeichnet seit 2010 eine messbare Zunahme konvektiver Starkregen-Ereignisse.
Verstopfter oder fehlender Regensammler am Fallrohr
Der Regensammler – auch Regendieb genannt – sitzt am Fallrohr und leitet das Dachabwasser in die Tonne um. Verstopft er durch Laub, Moos oder Sand, staut sich das Wasser im Fallrohr auf und sucht sich oberirdisch seinen Weg. Fehlt ein solches Umleitungsstück ganz, strömt bei Regen ohnehin alles am Rohr vorbei. Regelmäßiges Reinigen des Regensammlers ist daher Pflicht – mindestens zweimal im Jahr, nach dem Laubfall und im Frühjahr.
Falsche Positionierung und fehlendes Gefälle
Steht die Regentonne auf einer ebenen Fläche direkt am Haus und fehlt ein Ablaufgefälle weg vom Gebäude, sammelt sich überlaufendes Wasser zwangsläufig am Fundament. Ein Mindestgefälle von 2 % weg vom Gebäude ist bereits bei der Aufstellung der Tonne sinnvoll – es kostet nichts und verhindert spätere Schäden.
Welche Schäden drohen, wenn die Regentonne überläuft?
Wer das Thema auf die lange Bank schiebt, riskiert mehr als nasse Schuhe. Die Folgen sind oft erst Monate später sichtbar – dann aber kostspielig.
Feuchtes Fundament und durchweichte Hauswand
Wasser, das regelmäßig direkt am Haus abläuft, dringt in die Bodenzone rund um das Fundament ein. Kapillare Feuchtigkeitsschäden in der Hauswand, Schimmelbildung im Keller und bei älteren Gebäuden sogar Schäden am Fundament selbst sind mögliche Folgen. Sanierungen kosten schnell mehrere tausend Euro.
Staunässe im Gartenbeet und Wurzelschäden
Viele Nutzpflanzen und Ziersträucher reagieren empfindlich auf anhaltende Staunässe. Wurzeln ersticken bei dauerhafter Wassergesättigung des Bodens. Erosion und Auswaschung von Nährstoffen kommen hinzu, besonders bei leichten, sandigen Böden in Hanglage.
Rutschige Wege und Wasserschäden am Untergrund
Wasserüberlauf auf gepflasterten Flächen oder Terrassen führt zu Algen- und Moosbefall, der Stolperfallen schafft. Unter Pflastersteinen kann anhaltende Feuchtigkeit den Unterbau destabilisieren und zu unebenen, absackenden Flächen führen.
Die einfachste Lösung: Überlaufschutz nachrüsten
Wer wenig Heimwerker-Erfahrung hat oder schlicht Zeit sparen möchte, greift zu einem fertigen Überlauf-Set. Solche Produkte sind in Baumärkten wie OBI oder BAUHAUS sowie im Online-Handel erhältlich und lassen sich ohne Spezialwerkzeug einbauen.
Überlauf-Set kaufen: Was steckt im Lieferumfang?
Ein typisches Anschluss-Set enthält: einen Überlauffitting (Kunststoff), eine Gummidichtung, eine Gegenmutter zur Befestigung an der Tonnenwandung sowie einen kurzen Ablaufstutzen. Manche Sets umfassen auch einen Anschlussschlauch (meist 1–2 m). Produkte mit der Bezeichnung Überlaufstop oder Regensammler mit Überlaufstop kombinieren die Umleitung vom Fallrohr mit einem integrierten Überlaufausgang – praktisch, wenn die Tonne ohnehin noch keinen Regensammler hat.
Worauf beim Anschluss-Durchmesser achten (DN 50 / DN 75)?
Die Rohrnennweite des Überlaufs sollte mindestens dem Zulauf entsprechen. Gebräuchlich sind DN 50 (Innendurchmesser ca. 50 mm) für kleinere Dachflächen und DN 75 für größere Flächen oder intensivere Niederschläge. Die DIN 1986-100 (Entwässerungsanlagen für Gebäude) empfiehlt für die Dimensionierung von Regenwasserableitungen, Starkregenereignisse der lokalen Berechnungsregen-Intensität zugrunde zu legen. Als Faustregel gilt: Ein DN-50-Überlauf reicht für Tonnen bis 300 Liter Fassungsvermögen und eine angeschlossene Dachfläche bis ca. 30 m².
Wo lässt sich der Überlauf einbauen – Regentonne oder Regensammler?
Grundsätzlich gibt es zwei Einbaupositionen: direkt in die Tonne (Bohrung in die Wandung) oder in einen Regensammler mit integriertem Überlaufanschluss am Fallrohr. Die zweite Variante ist komfortabler, weil sie sowohl Zulauf als auch Überlauf an einem zentralen Bauteil bündelt. Für bestehende Tonnen ohne solchen Sammler bleibt der direkte Einbau in die Tonnenwandung die naheliegende Option.
Überlauf für die Regentonne selber bauen – Schritt für Schritt
Mit einer Tankverschraubung und einer Lochsäge ist der selbst gebaute Überlauf in unter einer Stunde einbaufertig. Die Materialkosten liegen bei 5 bis 15 Euro.
Werkzeug und Material: Lochsäge, Tankverschraubung, Schlauch
- Akkubohrschrauber oder Schlagbohrer
- Lochsäge passend zum Außendurchmesser der Tankverschraubung (z. B. 54 mm für eine ½-Zoll-Verschraubung mit DN-50-Anschluss)
- Tankverschraubung aus Kunststoff (½ Zoll oder ¾ Zoll) mit Flachdichtung
- Flexibler Ablaufschlauch (DN 50, Länge je nach Abstand zum Ableitziel)
- Gummidichtung oder PTFE-Band zur Abdichtung
- Bleistift und Wasserwaage
Schritt 1: Bohrung auf richtiger Höhe setzen
Markieren Sie die Einbauposition an der Außenwandung der Regentonne. Die Bohrung sollte 5 bis 10 cm unterhalb des oberen Tonnenrands sitzen – so bleibt ein Puffer, bevor das Wasser den Rand erreicht, und das Überlaufwasser läuft kontrolliert ab, bevor die Tonne randvoll ist. Verwenden Sie die Wasserwaage, um sicherzustellen, dass die Bohrung horizontal ausgerichtet ist. Dann Lochsäge ansetzen und sauber durchbohren; bei dünnwandigem Kunststoff reicht moderater Druck ohne Schlagfunktion.
Schritt 2: Tankverschraubung abdichten und Schlauch anschließen
Schieben Sie die Tankverschraubung von außen in die Bohrung, legen Sie die Gummidichtung auf der Innenseite auf und ziehen Sie die Gegenmutter von innen handfest an. Überprüfen Sie die Dichtigkeit, indem Sie kurz Wasser in die Tonne füllen. Stecken oder schrauben Sie anschließend den Ablaufschlauch auf den Außenstutzen der Verschraubung. Ein Schlauchschelle sichert den Anschluss bei Bedarf zusätzlich.
Schritt 3: Überlaufwasser sicher ableiten (Richtung Beet oder Versickerung)
Verlegen Sie den Schlauch mit kontinuierlichem Gefälle weg vom Haus – mindestens 1–2 cm Höhenunterschied je Meter Schlauchlänge. Das Ende des Schlauchs sollte mindestens 50 cm vom Fundament entfernt auf einer bepflanzten Fläche oder über einer Versickerungsmulde auslaufen. Befestigen Sie den Schlauch bei Bedarf mit Erdhaken am Boden, damit er bei Starkregen nicht weggedrückt wird.
Wohin mit dem Überlaufwasser? Sinnvolle Ableitung im Garten
Die Ableitung ist mindestens genauso wichtig wie der Überlauf selbst. Schlecht geleitetes Überlaufwasser richtet anderswo neue Schäden an.
Schlauch ins Gartenbeet oder zur Rasenfläche führen
Das einfachste und zugleich ökologisch sinnvollste Ziel ist das Gartenbeet oder der Rasen. Der Ablaufschlauch endet im Idealfall in einer Mulde zwischen Stauden oder unter einem Strauch – das Wasser kann so langsam versickern und steht der Bewässerung direkt zur Verfügung. Achten Sie darauf, Pflanzen zu wählen, die gelegentliche Wasserüberschüsse vertragen (z. B. Farne, Sumpfschwertlilien oder Gräser).
Versickerungsmulde oder Drainagegraben anlegen
Bei größeren Wassermengen oder verdichtetem Boden empfiehlt die Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft (DWA) die Anlage einer flachen Versickerungsmulde: eine 20–30 cm tiefe, mit Kies gefüllte Mulde, die das Wasser zwischenpuffert und langsam an den Boden abgibt. Ein einfacher Drainagegraben mit Kiesschüttung erfüllt denselben Zweck und ist ohne Baugenehmigung realisierbar, solange das Wasser auf dem eigenen Grundstück verbleibt.
Zweite Regentonne in Reihe schalten
Wer das Regenwasser möglichst vollständig nutzen möchte, schaltet eine zweite Regentonne in Reihe: Der Überlaufschlauch der ersten Tonne führt in den Zulauf der zweiten. Damit verdoppelt sich das nutzbare Volumen – bei minimalem Aufwand und ohne zusätzliche Fallrohr-Eingriffe. Achten Sie darauf, dass auch die zweite Tonne einen Überlauf erhält, der das Wasser sicher vom Fundament wegführt.
Automatischer Überlauf: Lohnt sich die smarte Variante?
Neben der rein passiven Überlauflösung gibt es elektronisch gesteuerte Varianten – ein Blick, für wen sich die Investition rechnet.
Wie funktioniert eine automatische Überlauf-Steuerung?
Ein automatischer Überlauf arbeitet in der Regel mit einem Schwimmerventil oder einem elektronischen Füllstandssensor. Erreicht das Wasser einen definierten Pegel, öffnet ein Ventil oder startet eine kleine Pumpe, die das überschüssige Wasser in ein Speicherreservoir, einen Drainagegraben oder das Abwassersystem ableitet. Hochwertige Systeme lassen sich per App oder Zeitschaltuhr steuern und können mit der Gartenbewässerung kombiniert werden.
Für wen ist die Investition sinnvoll?
Wer nur eine einzelne 200-Liter-Tonne betreibt, fährt mit dem passiven Überlaufschutz günstiger und wartungsärmer. Eine automatische Steuerung lohnt sich bei größeren Zisternen (ab ca. 1.000 Liter), bei angeschlossener Gartenbewässerung oder wenn das Überlaufwasser aktiv für eine Bewässerungsanlage genutzt werden soll. Die Anschaffungskosten für einfache Systeme beginnen bei rund 40–80 Euro; komplexere Lösungen mit Pumpe und Steuerung kosten 150 Euro und mehr.
Häufige Fehler beim Überlauf der Regentonne – und wie Sie sie vermeiden
Überlauf-Öffnung zu klein dimensioniert
Ein häufiger Fehler ist die Wahl einer zu kleinen Rohrgröße. Wird der Überlauf mit DN 25 oder einem dünnen Gartenschlauch ausgeführt, kann er bei starkem Regen den Zulauf nicht kompensieren und läuft selbst über. Orientieren Sie sich an der Nennweite des Fallrohrs (meist DN 75 oder DN 100) und wählen Sie für den Überlauf mindestens DN 50 – besser DN 75, wenn die angeschlossene Dachfläche mehr als 30 m² beträgt.
Schlauch endet direkt am Fundament
Wenn der Ablaufschlauch zu kurz ist und das Wasser unmittelbar neben dem Mauerwerk austritt, ist nichts gewonnen. Der Mindestabstand vom Schlauchende zum Fundament sollte mindestens 50 cm, besser 1 Meter betragen. Planen Sie bei der Materialauswahl lieber etwas mehr Schlauchlänge ein – sie kostet wenig.
Kein Schutz gegen Mücken und Laub am Überlaufausgang
Ein offen stehender Überlaufstutzen ist eine Einladung für Stechmücken, die ihre Eier im stehenden Restwasser im Schlauch ablegen. Ein feines Maschengewebe (Mückengitter) am Schlauchende verhindert das. Gleichzeitig sollte der Eingang des Schlauchs an der Tonne durch ein Grobsieb vor Laubeinträgen geschützt werden, die sonst zur Verstopfung führen. Viele Fertig-Sets bringen einen solchen Schmutzschutz bereits mit; beim Selbstbau muss er separat ergänzt werden.
Häufige Fragen zum Überlauf der Regentonne
Wie verhindert man, dass eine Regentonne überläuft?
Der sicherste Schutz ist ein fest installierter Überlaufanschluss, der überschüssiges Wasser kontrolliert ableitet – entweder über ein gekauftes Anschluss-Set oder eine selbst gebohrte Tankverschraubung. Ergänzend hilft eine zweite Regentonne in Reihe, um das nutzbare Volumen zu erhöhen. Regelmäßige Reinigung des Regensammlers am Fallrohr verhindert zudem Verstopfungen, die einen Überlauf noch vor dem Erreichen des Füllstands auslösen können.
Was kann ich tun, wenn mein Regensammler überläuft?
Prüfen Sie zunächst, ob der Regensammler verstopft ist – oft genügt ein kurzes Spülen mit dem Gartenschlauch. Wenn die Tonne voll ist, leiten Sie den Überlauf am Regensammler selbst ab: Viele Modelle haben einen seitlichen Überlaufanschluss, an den ein Schlauch gesteckt werden kann. Fehlt dieser, tauschen Sie den Regensammler gegen ein Modell mit integriertem Überlaufstop aus.
Welche Rohrgröße braucht der Überlauf?
Als Mindestmaß gilt DN 50 (ca. 50 mm Innendurchmesser) für Tonnen bis 300 Liter und Dachflächen bis ca. 30 m². Bei größeren Flächen oder Starkregen-Regionen empfiehlt sich DN 75. Die Dimensionierung nach DIN 1986-100 orientiert sich an der lokalen Berechnungsregen-Intensität – wer auf der sicheren Seite sein möchte, wählt die nächstgrößere Nennweite.
Kann ich das Überlaufwasser meiner Regentonne trinken?
Nein – Regenwasser aus einer Regentonne ist kein Trinkwasser. Es enthält je nach Region Schwebstoffe, Schadstoffe aus Luftverschmutzung, Algen, Bakterien und Vogelkot vom Dach. Das Umweltbundesamt weist ausdrücklich darauf hin, dass gesammeltes Dachabwasser nicht für die menschliche Ernährung genutzt werden sollte. Es eignet sich jedoch hervorragend für die Gartenbewässerung, die Toilettenspülung (mit entsprechender Anlage) oder die Autowäsche.



